Einführung

Johannes Gervé betrachtet Wolken und auch das Meer. Er verliert sich in diesem Raum der Flüchtigkeit. Findet darin Tiefe, Weite und die Variabilität seiner eigenen Innenwelt. Was sich hier manifestiert ist vergänglich. Eine Negation der Dauer. Sicht- und fühlbar das Unfassbare. Wolken und Regen, die auf der Leinwand flirren, sich darin fortbewegen und vergehen. Entlang eines Horizontes in undefiniertem Raum. Wo zunächst vermeintlich Gegenständliches zu erkennen ist, sieht man nach längerer Betrachtung reine Farbe und Struktur. Oder auch umgekehrt.

Das Ringen der Materie mit der Emotion führt Johannes Gervé zur Abstraktion verschiedenster Gefühlszustände, zwischen düsterer, schwerer Pein und heiterem, beschwingten Frohlocken. Auch der Farbauftrag variiert. Lasierendes Streicheln, mit zarten Übergängen, wie auch schwerem Gestus. Immer aber Ausdruck seelischer Befindlichkeit.

Seine Reisen auf dem Meer sind Auslöser, stillen sie vorübergehend den Durst nach Weite. Die Arbeit geschieht jedoch vom Anblick losgelöst im hermetischen Atelier, quasi in Memoriam. Dort gibt er sich einer Neufindung hin, die immer auch einem Kampf gleich kommt. Schicht um Schicht trägt er Farbe auf, kratzend, wischend, peitschend. Er übermalt, verwirft und revidiert.

Es bleibt die Wolke, es bleibt das Meer, sich permanent verändernde Zustände einer zeitlichen Existenz.

Johannes Gervé begann mit 19 Jahren das Studium der Malerei an der Akademie der bildenden Künste Karlsruhe, welches er 1991 als Meisterschüler bei Klaus Arnold abschließt. Geboren 1965 in Karlsruhe, lebt und arbeitet in Karlsruhe/Ettlingen.